In allen vier Workflow-Schemata taucht dasselbe Element auf: der KI-Agent TermBoy, der die Termbank aufbaut und pflegt. TermBoy ist ein eigenständiges Produkt von TTN, im TTN TMS als Terminologie-Agent fest eingebunden und unter www.termboy.com im Detail beschrieben.

Abbildung 68: TermBoy – KI-Agent für Terminologie und Sichtbarkeit in Chatbots (www.termboy.com)
Von der Wortliste zur Begriffsseite
Ein klassisches Glossar besteht aus zwei Spalten: Ausgangsbegriff und Übersetzung. Was der Begriff bedeutet, wo er verwendet wird und welche Synonyme zulässig sind, bleibt offen – die übersetzende Person übernimmt ihn blind. TermBoy erzeugt stattdessen für jeden Begriff eine vollständige Begriffsseite: Definition, Bild, Übersetzungen in alle gewünschten Sprachen, Synonyme, Wortart und Genus, Normen, Verweise auf Wikipedia sowie Referenzstellen, an denen der Begriff im Unternehmen tatsächlich verwendet wird. Aus der Verwendungshäufigkeit und der Qualität der Quellen errechnet er zusätzlich einen Zuverlässigkeitscode.
Vier Schritte – vollautomatisch
- Analysieren: TermBoy durchsucht die Website des Kunden und verwandte Online-Quellen, seine Textarchive und seine Übersetzungsspeicher und ermittelt die am häufigsten verwendeten Fachbegriffe.
- Definieren: Pro Begriff entsteht eine vollständige Begriffsseite mit Definition, Bildern, Normen, Referenzstellen, Synonymen, Aussprache und Genus.
- Freigeben: Liegt die Zuverlässigkeit unter 80 %, geht der Eintrag zur Prüfung an die zuständige Fachperson des Kunden – Benachrichtigung per E-Mail, SMS oder WhatsApp.
- Publizieren und anbinden: Veröffentlichung mit semantischen Tags im Web, Aufnahme in die sitemap.xml der Kundenwebsite und Bereitstellung in SDL MultiTerm für das CAT-Tool.
Zusammenspiel mit TTN TMS
Bei jedem neuen Auftrag scannt TermBoy den Ausgangstext und vergleicht die gefundenen Begriffe mit der Termbank des Kunden. Neue Begriffe werden recherchiert und ergänzt, noch während das Übersetzungsprojekt erstellt wird. Danach steht die Terminologie an drei Stellen zur Verfügung: im CAT-Tool des Übersetzers, wo der passende Eintrag automatisch im Übersetzungsfenster erscheint; im QA-Tool, das die Verwendung der freigegebenen Begriffe erzwingt; und in der maschinellen Vorübersetzung, in deren Prompt die passenden Einträge Segment für Segment eingefügt werden. Beim kurzen Lawinenbulletin, das das SLF in Davos im Winter täglich publiziert, sind das bis zu 80 Begriffe pro Übersetzungs-Prompt.
Sichtbarkeit in KI-Systemen
Das Suchverhalten verlagert sich von Trefferlisten zu direkten Antworten von Chatbots. Wer dort nicht vorkommt, ist für einen wachsenden Teil der Kundschaft unsichtbar. Sprachmodelle beruhen auf der Transformer-Technologie und brauchen Zusammenhänge, nicht einzelne Suchbegriffe. Genau diese Zusammenhänge liefert eine publizierte Terminologie: Jeder Begriff wird zu einer indexierbaren Seite mit Definition, Übersetzungen, Synonymen, Normen und Referenzen und in der sitemap.xml der Kundenwebsite referenziert. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Systeme wie ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity oder die AI Overviews der Google-Suche die Inhalte korrekt einordnen und als Quelle nennen. Dieser Ansatz wird als GEO (Generative Engine Optimization) bezeichnet; er ergänzt die bestehende Suchmaschinenoptimierung, ohne sie zu ersetzen.
Wer profitiert
- Übersetzerinnen und Übersetzer: Die Begriffe erscheinen automatisch im CAT-Tool, sobald ein Segment einen Fachbegriff enthält; die QA stellt sicher, dass nur definierte Begriffe verwendet werden.
- Mitarbeitende: Neue Mitarbeitende finden sich rasch in der Begriffswelt des Betriebs zurecht – mit Bildern, Beschreibungen und Links zu Katalogen und Webseiten.
- Aus- und Weiterbildung: Die Begriffe im Betrieb stimmen mit jenen der Berufsschule und den Bildungsplänen des SBFI überein, ohne Zusatzaufwand.
- Verbände und Behörden: TermBoy gleicht die Terminologie mit den offiziellen Datenbanken des Bundes ab – wichtig für Vernehmlassungen und für die Vermeidung von Insellösungen.
- Kundschaft und Öffentlichkeit: Alle Begriffe werden mit semantischen Tags publiziert; eine einheitliche, öffentlich zugängliche Terminologie wird zum Wettbewerbsvorteil.
Modelle und Aufwand
TermBoy ist auf zwei Arten erhältlich. Auftragsgetrieben wächst die Termbank mit den Übersetzungsaufträgen: Ein Begriff wird aufgenommen, sobald er in einer Übersetzung tatsächlich vorkommt. Recherche, Begriffsseite, Freigabe-Workflow, Publikation und CAT-Anbindung sind im Zeilen- beziehungsweise Wortpreis der Übersetzung enthalten; ein separates Projektbudget ist nicht nötig.
Als Komplettlösung baut Termboy die Terminologiedatenbank unabhängig von einzelnen Aufträgen auf – auf Basis der Website, des Übersetzungsspeichers und der Dokumente des Kunden. Bei der EU und der Schweizerischen Bundesverwaltung geht man davon aus, dass die Definition und Erfassung eines Begriffs rund 10 Euro kostet. Mit Termboy lassen sich diese Kosten auf etwa ein Zweihundertstel reduzieren. Zudem wird die Terminologiedatenbank automatisch auf dem neuesten Stand gehalten.
Beispiele bestehender Termbanken – Fahrzeugtechnik, Wissenschaft und digitales Marketing – sind unter www.termboy.com/beispiele/ dokumentiert; häufige Fragen beantwortet www.termboy.com/faq/. Eine Demonstration anhand der eigenen Website kann über www.termboy.com oder per E-Mail an info@termboy.com angefordert werden.
Terminologie über die Grenzen des einzelnen Auftrags hinaus
Eine Termbank, die für einen bestimmten Texttyp entsteht – für ein Bulletin, einen Katalog, eine Normenreihe –, bleibt nicht auf diesen beschränkt. Sobald ein Begriff erfasst, definiert und freigegeben ist, gilt er für die gesamte Kommunikation des Unternehmens: für die Übersetzungen in allen Sprachen ebenso wie für die Originaltexte, die Website, die Schulungsunterlagen und die Auskünfte gegenüber Kundschaft und Behörden.
Der Aufwand fällt einmal an, der Nutzen bleibt: Ein einmal geklärter Begriff muss in keiner späteren Übersetzung mehr diskutiert werden – unabhängig von Sprache, Auftrag oder Jahr. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Glossar, das für ein Projekt erstellt und danach vergessen wird, und einer gepflegten Terminologie, die mit jedem Auftrag weiterwächst.