Term-Injektion

TermBoy recherchiert die Begriffe, die Term-Injektion setzt sie durch. Bei jeder maschinellen Vorübersetzung sucht TTN TMS zu jedem Segment die passenden Einträge in der Termbank des Kunden und fügt sie als verbindliche Vorgabe in den Übersetzungs-Prompt ein. Damit übersetzt jede KI einen Fachbegriff immer gleich – in jedem Segment, in jedem Auftrag und bei jedem Anbieter.

Ein Wort, 27 Übersetzungen

Für das deutsche Wort «Läufer» gibt es im Englischen 27 Übersetzungsmöglichkeiten. Im Elektromotor ist der Läufer ein rotor, in der Wasserturbine ein runner, am Reissverschluss ein slider, im Mauerwerk ein stretcher, an der Ringspinnmaschine ein traveller, auf dem Rechenschieber ein cursor und auf dem Schachbrett ein bishop.

Ohne Vorgabe entscheidet die KI bei jedem Aufruf neu, welche dieser Möglichkeiten sie wählt – abhängig vom Satzkontext, vom Anbieter und sogar von der gerade verfügbaren Rechenzeit (siehe Kapitel «TM-augmentierte Übersetzung»). Im selben Wartungshandbuch steht dann einmal «rotor», einige Seiten weiter «armature» und im nächsten Auftrag «runner». Für den Leser sind das drei verschiedene Bauteile.

So funktioniert die Term-Injektion

Die Termbank des Kunden legt für das Fachgebiet Elektromotor fest: Läufer → rotor. Erkennt TTN TMS den Begriff im Segment «Den Läufer vor der Wartung ausbauen.», wird die Vorgabe «Läufer = rotor» in den KI-Auftrag eingespritzt. Claude, ChatGPT und DeepL formulieren den Satz unterschiedlich – «Remove», «Take out», «Dismantle» –, doch alle drei übersetzen «Läufer» mit «rotor».

Term-Injektion: Läufer = rotor

Abbildung 69: Term-Injektion – der Termbankeintrag «Läufer → rotor» wird in den KI-Auftrag eingespritzt

Die Term-Injektion fügt immer die gleichen Begriffe ein: Dieselbe Termbank liefert für denselben Ausgangsbegriff stets dieselbe Vorgabe. Die Formulierung des Satzes darf variieren, der Fachbegriff nicht.

Volle Kontrolle für Kunde und Übersetzer

Die Terminologie gehört dem Kunden. Er kann jeden Begriff jederzeit ändern, ablehnen oder neue Begriffe einfügen lassen – über den Freigabe-Workflow von TermBoy oder durch einfache Mitteilung an TTN. Jede Änderung wirkt ab der nächsten Vorübersetzung, bei allen KI-Anbietern gleichzeitig.

Der Übersetzer hat direkte Kontrolle über das CAT-System und MultiTerm. Im Trados-Editor sieht er bei jedem Segment, welche Termbankeinträge gelten. Fehlt ein Begriff oder ist eine Übersetzung zu korrigieren, erfasst er ihn direkt in MultiTerm. TTN TMS übernimmt den Eintrag in die Termbank des Kunden, und TermBoy ergänzt Definition, Bilder und weitere Angaben automatisch. Ab dem nächsten Auftrag wird der neue oder geänderte Begriff injiziert.

Die Vorteile konsistenter Terminologie

1. Ein Begriff, ein Gegenstand. Leser von Handbüchern, Ersatzteilkatalogen und Sicherheitshinweisen müssen sich darauf verlassen können, dass dasselbe Wort dasselbe meint. Wechselnde Benennungen führen zu Rückfragen, Fehlbestellungen und im schlimmsten Fall zu Fehlbedienungen.

2. Unabhängig vom KI-Anbieter. Ob Claude, ChatGPT, DeepL oder ein künftiges Modell: Die Terminologie bleibt dieselbe. Ein Anbieterwechsel verändert die Satzformulierung, nicht die Fachbegriffe.

3. Weniger Korrekturaufwand. Der Korrektor muss Fachbegriffe nicht mehr Segment für Segment nachziehen; die QA-Prüfung meldet nur noch echte Abweichungen. Das spart bei jedem Auftrag Zeit und Kosten.

4. Höhere Wiederverwendung. Einheitlich übersetzte Begriffe erhöhen die Trefferquote im Translation Memory: Was heute konsistent übersetzt wird, ist morgen ein 100-%-Treffer.

5. Nachvollziehbarkeit. Das Protokoll jedes Auftrags zeigt, welche Begriffe injiziert wurden. Bei Rückfragen, Audits oder rechtlichen Abklärungen ist belegbar, woher eine Übersetzung stammt.

6. Einheitlicher Auftritt. Die Unternehmenssprache des Kunden wird in allen Sprachen, Dokumenten und Kanälen gleich verwendet – vom Katalog über die Website bis zur Antwort eines Chatbots, der sich auf die publizierte Terminologie stützt.